Was macht die Bodensee-Region optimal für den Lebensmittelanbau, und wie kann die Gastronomie davon profitieren? Der Verein CULINARIUM kennt die Antworten. Wir haben uns mit Co-Geschäftsführerin Elisabeth Federer unterhalten.

In Kürze
  • Elisabeth Federer setzt sich mit CULINARIUM für regionale Wertschöpfung ein.

  • Das milde Bodensee-Klima begünstigt den Anbau vieler Früchte- und Gemüsesorten.

  • Gastronomiebetriebe profitieren von regionalen Netzwerken und Marketingunterstützung.

  • Regionale Versorgung gewinnt besonders in Krisenzeiten zunehmend an Bedeutung.

Frau Federer, welches Produkt aus der Bodensee-Region darf in Ihrer Küche nicht fehlen?

Der Ribelmais. Das ist ein weisser Mais, ein traditionelles Produkt aus dem St. Galler Rheintal. Er lässt sich sehr vielseitig einsetzen; etwa als Beilage, für asiatische Gerichte wie «Fried Rice», zum Frühstück und für vieles mehr. In der Gastronomie wird er sehr oft als salzige Beilage zu Gerichten mit Fleisch mit der Sauce serviert. Er erinnert mich an meine Kindheit – ich bin im St. Galler Rheintal aufgewachsen, und für meine Generation war Ribelmais fast schon ein Grundnahrungsmittel. Jetzt, im erwachsenen Alter, ist er für mich ein Festessen zum Frühstück, wenn ich mir die Zeit nehme, ihn lange zu braten.

Der Trägerverein CULINARIUM setzt sich seit 26 Jahren für den Genuss aus der Bodensee-Region ein. Was ist die Mission des Vereins?

CULINARIUM wurde mit folgender Idee gegründet: Wir wollen die Wertschöpfung, die Arbeitsplätze und die Rohstoffe der Ostschweiz hier erhalten. Die Rohstoffe sollen hier in der Region verarbeitet werden, damit hier zusätzliche Arbeitsplätze entstehen und wir die Infrastruktur nutzen, die hier vorhanden ist. Auch die Transportwege sollen kurz bleiben – eine Erdbeere muss zum Entkelchen nicht in die Westschweiz gefahren werden und wieder zurück. Sie kann in Diepoldsau wachsen, in Salez-Sennwald entkelcht und dann in Bischofszell zu Konfitüre verarbeitet werden. Solche Prozesse fördern wir, und eine unabhängige Zertifizierungsstelle kontrolliert dies. Wir sind überzeugt, dass echter Genuss und Verantwortung untrennbar verbunden sind.

blog im gespraech elisabeth federer portrait
Zur Person

Elisabeth Federer

Seit elf Jahren ist Elisabeth Federer Co-Geschäftsführerin des Trägervereins CULINARIUM, der sich für die Ostschweizer Regionalität einsetzt. Daneben war sie von 2019 bis 2025 Geschäftsführerin im Haus des St. Galler Weins in Berneck.

Bekanntes Label, fruchtbare Region

Mit welchen Massnahmen begeistern Sie die Konsumentinnen und Konsumenten für die Ostschweizer Regio-Produkte?

Wir arbeiten in der Kommunikation mit Plakatkampagnen, Social-Media-Posts, Newslettern, Netzwerk-Anlässen sowie Präsenz an Messen wie der OLMA, der OFFA oder der Gastia und auf Regio-Märkten in St. Gallen und Rapperswil. Damit wollen wir den Produzierenden Sichtbarkeit verschaffen, damit die Konsumentinnen und Konsumenten sehen: Hier kann ich Produkte aus der Region beziehen. Laut unserer letzten Umfrage zur Markenbekanntheit ist das bekannteste Regio-Label in der Schweiz das Label «Aus der Region» von der Migros, gefolgt von «Miini Region» von Coop – und an dritter Stelle folgt bereits CULINARIUM. Es ist eines von vier übergeordneten Regio-Labels der Schweiz, neben «regio garantie Romandie», «Das Beste der Region» im Mittelland und «alpinavera» in der Südostschweiz.

blog im gespraech elisabeth federer ribelmais
Der Ribelmais – ein traditionelles Produkt aus dem St. Galler Rheintal.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie die Vorzüge der Bodensee-Region beschreiben?

Mild, feucht und windig. Am Bodensee herrscht ein mildes Klima mit genug Niederschlag und Föhn, das dem Anbau vieler Früchte- und Gemüsesorten sehr zuträglich ist: Es erwärmt den Boden früh im Jahr und beschleunigt so die Reifezeit, sorgt für weniger Frostschäden und weniger ausgetrocknete Keimlinge. Die Bedingungen sind nicht für alle Produkte ideal, aber vielen hilft es. Darum ist die Bodenseeregion ein besonderes Gebiet für den Anbau von Lebensmitteln.

Am Bodensee herrscht ein mildes Klima mit genug Niederschlag und Föhn.

Elisabeth Federer

Co-Geschäftsführerin CULINARIUM

Culinarium: Vernetzt und regional

Laut Ihrer Website sind Sie überzeugt, dass Netzwerken zu den wertvollsten Arbeiten Ihres Geschäfts gehört. Warum ist das so? 

Unsere Aufgabe ist es, produzierende Betriebe mit Grossverteilern und der Gastronomie zusammenzubringen. Wir veranstalten jährlich im März den «regio tag», um diese Gruppen stärker miteinander zu vernetzen. Es ist wichtig, dass Gastronominnen und Gastronomen mit guten Lieferanten und guten Produkten in Kontakt kommen und die Leute einander kennen lernen. Das fördert die Nutzung regionaler Rohstoffe und regionaler Wertschöpfungsketten.

blog im gespraech elisabeth federer culinarium tag
Netzwerken am jährlichen «regio tag».

Was macht aus Ihrer Sicht Regionalität bei Lebensmitteln besonders schützenswert?

Zunächst einmal müssen die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in der Region bearbeitet werden. Wenn wir das nicht tun, verwalden und verwildern sie – das geht sehr schnell. Weiter hat sich etwa während der Corona-Zeit gezeigt, wie wichtig regionale Versorgung ist. Wir müssen uns dessen bewusst sein und dürfen keine Mühe scheuen, sie zu bewahren – wir können nicht immer alles importieren. Die Schweiz ist stark abhängig von Importen, was vor allem in Krisenzeiten nicht förderlich ist: Unser Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis der Inlandproduktion zum inländischen Gesamtverbrauch beschreibt, liegt gerade einmal um die 50 Prozent. Wir können die Schweizer Bevölkerung kaum nur damit ernähren, was wir selbst produzieren. Darum ist es so wichtig, dass wir bei uns regional Lebensmittel anbauen.

Wir glauben, dass echter Genuss und Verantwortung untrennbar verbunden sind.

Elisabeth Federer

Co-Geschäftsführerin CULINARIUM

Bodensee-Produkte in der Gastronomie

Was macht CULINARIUM für die Gastronomie interessant?

Gastrobetriebe, die mindestens ein Viertel ihrer Produkte hier in der Region einkaufen, können Partnerbetriebe von CULINARIUM werden und dürfen dann mit unserem Label werben. Bei uns gibt es rund 4800 zertifizierte Produkte aus der Region zu entdecken. Über uns kann man sich mit anderen Betrieben vernetzen, die auf Regionalität setzen, und wir bieten auch Unterstützung im Marketing. Hinzu kommen eine Erwähnung des Betriebs im Magazin «CULINARISCH» und auf unserer Website.

blog im gespraech elisabeth federer wochenmarkt

Was ist Ihr Eindruck – werden Produkte aus der Bodensee-Region in der Gastronomie schon häufig genutzt?

Genaue Zahlen habe ich dazu nicht, aber mein Eindruck ist: Sie schwanken. Es gibt Zeiten, in denen wir mehr Zulauf aus der Gastronomie haben. Dann kommen wieder Zeiten, in denen manch ein Betrieb findet, es bringe ihm doch nicht so viel, auf Regionalität zu setzen.

Wie sieht es mit Bäckereien aus? 

Wir organisieren Kooperationen mit Bäckereien über das Label St. Galler Kalbsbratwurst IGP, das CULINARIUM angegliedert ist. Damit soll die Zusammenarbeit zwischen Metzgereien und Bäckereien gefördert werden. Wir haben bisher nicht viele Partnerbetriebe aus der Bäckerei-Confiserie-Branche – aber es gibt tolle Beispiele wie die Bäckerei Lichtensteiger in St. Gallen, die stark auf Regionalität setzt. 

Bilder: CULINARIUM

raphael dorigo salat

Raphael Dorigo

Autor

Als Sprachgourmet kreiere ich leidenschaftlich Texte, die mehr sind als Wortsalat.

gastronomie-teaser

Branche

Gastronomie und Hotellerie

Wir kennen die Bedürfnisse der Gastrobranche und unterstützen Sie umfassend – mit Herz und Leidenschaft.

Bäcker zeigt in zwei Hälften geschnittenes Brot

Branche

Bäckerei und Confiserie

Wir kennen die Bedürfnisse der Bäckerei-, Konditorei-, und Confiseriebranche und unterstützen Sie umfassend.

Teilen Sie diesen Beitrag

Weitere ähnliche Beiträge