Aus einer kleinen Confiserie in Saint-Prex wurden sieben Filialen und über hundert Mitarbeitende. Trotzdem startet Christian Boillat den Morgen lieber in der Filiale als im Büro. Der Unternehmer ist seinem Handwerk treu geblieben.

In Kürze
  • 1997 eröffnete Christian Boillat seine erste Confiserie in Saint-Prex.

  • Heute führt er sieben Filialen zwischen Lausanne und Nyon.

  • Rund 120 Mitarbeitende tragen zur Erfolgsgeschichte des Betriebs bei.

  • Qualität, Vertrauen und Handwerk prägen seine Führung.

  • Die Produktion in Saint-Prex soll künftig erweitert werden, so dass alles an einem Ort produziert werden kann.

Um halb neun herrscht in Saint-Prex bei Christian Boillat Hochbetrieb. In der Produktion wird geknetet, gebacken, glasiert, verpackt und dekoriert. Obwohl der Tag noch jung ist, ist es schon ziemlich warm – besonders oben im Büro des Geschäftsleiters. Heute beschäftigt Christian Boillat rund 120 Mitarbeitende und führt sieben Filialen zwischen Lausanne und Nyon. Was ihn antreibt, ist aber nicht das Wachstum, es geht ihm um das Miteinander und die Leidenschaft fürs Handwerk. Immer wieder hält er fest: «Ich bin Patissier-Confiseur. Für mich ist die Produktion zentral.»

Von Zufällen geleitet

Am 1. September 1997 eröffnete Christian Boillat seine erste Confiserie in Saint-Prex, wo er seit seiner Kindheit lebt. Für ihn war schon früh klar, dass er etwas mit den Händen machen wollte. Einen genauen Plan hatte er jedoch nie. Die Entwicklung seiner Standorte liest sich eher wie eine Aneinanderreihung glücklicher Begegnungen. Statt von Strategiepapieren spricht Christian von Zufällen, Chancen und der Diversifizierung seiner Standorte als Erfolgsfaktor. Bei der Eröffnung in Saint-Prex sprach ihn jemand auf ein neues Einkaufszentrum in Crissier an. Die Filiale in Lausanne ergab sich durch einen Berufskollegen. Einen anderen Standort übernahm er von seinem ehemaligen Lehrmeister Richard Maier. Zudem boomt die Region: Allein in Saint-Prex hat sich die Einwohnerzahl seit 1978 fast verdoppelt. Leicht war es nicht. «Wir haben fünfzehn Jahre lang gearbeitet wie Verrückte.» Seine damalige Frau arbeitete intensiv mit, der Vater unterstützte ihn finanziell und stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Doch der Preis war hoch. «Meine Tochter wird dieses Jahr 26. Aber ich habe sie nicht wirklich aufwachsen sehen.» Christian spricht offen darüber, dass man sich im Aufbau eines Unternehmens auch verlieren kann. Diese Erfahrung hat seinen Blick auf Führung und Verantwortung bis heute geprägt.

blog confiserie boillat christian boillat im laden
Zum Betrieb

Confiserie Christian Boillat

Gegründet: 1997 gründete Christian Boillat das Unternehmen im Alter von 27 Jahren.

Mitarbeitende: Total 120, davon 45 in der Produktion 

Filialen: Saint-Prex, Crissier,  Lausanne, Signy-Centre, Morges,  Lausanne Ouchy, Rolle

Auszeichnungen: Mérite Culinaire pâtissier (März 2026), Swiss Bakery Trophy (diverse) 

Angebot: Neben dem breiten Sortiment an Schokolade, Patisserie, Brot, Sandwiches, Salaten und Apérogebäck ist die Tea Time nach englischem Vorbild beliebt. Angeboten wird sie von Montag bis Freitag zwischen 14.30 Uhr und 18.00 Uhr.

Zukunft: Das nächste Projekt ist die Produktionserweiterung in Saint-Prex. Damit erfolgt die Produktion komplett an einem Ort, ein Meilenstein in der fast dreissigjährigen Geschichte.

Erfolg ist Teamarbeit

Im März 2026 überreicht Bundespräsident Guy Parmelin Christian Boillat den «Mérite Culinaire Pâtissier». Die Auszeichnung habe ihn sehr gefreut, erzählt er. Als persönliche Krönung seiner Karriere versteht er sie allerdings nicht, sondern als schöne Anerkennung für die Arbeit des ganzen Teams. Vor rund fünfzehn Jahren zog sich Christian aus der täglichen Produktion zurück. Seither konzentriert er sich auf Organisation und Qualität. Und setzt dabei stark auf Vertrauen statt Kontrolle. «Ich bin nicht der Typ, der die Leute ständig überwacht.» Er besucht seine Standorte regelmässig, spricht mit Mitarbeitenden, probiert Produkte und schaut hin. Entdeckt Details, die anderen möglicherweise gar nicht auffallen würden. «Ich versetze mich immer in die Lage des Kunden. Ist alles ordentlich präsentiert? Macht das Geschäft einen gepflegten Eindruck? Qualität beginnt nicht erst beim Produkt, sondern bereits beim ersten Blick durch die Tür.»

Ich bin nicht der Typ, der die Leute ständig überwacht.

Christian Boillat

Inhaber

blog confiserie boillat christian boillat am produzieren hochformat
Herstellung der berühmten «Bouchons Vaudois»

Gewusel mit System

Szenenwechsel eine Etage tiefer: An einer Station entstehen Himbeerkuchen, daneben kneten drei Bäcker Bauernbrotteig. Direkt gegenüber laufen Schinkengipfeli übers Band. Im nächsten Raum kommen frischgebackene Florentiner aus dem Ofen. Ganz hinten werden Oliven-Flûtes abgepackt. Und mittendrin ein Mitarbeiter mit einem Tablar voller Truffés au chocolat. Trotz des hohen Tempos ist die Atmosphäre entspannt . Obwohl Christian nicht mehr selbst Hand anlegt, zeigt er uns die Herstellung der berühmten «Bouchons Vaudois». Die kleinen Röllchen formt heute eine Maschine. Befüllt und verpackt werden sie noch einzeln von Hand.

Perfekte Präsentation

Die nahegelegene Filiale in Saint-Prex zeigt eine tadellose Präsentation der Köstlichkeiten. Was hat Christian in knapp 30 Jahren gelernt, was in der Berufsschule aussen vor blieb? Er antwortet sofort: «Das Leben – der Umgang mit Krankheiten oder Todesfällen von Mitarbeitenden. Und was man lernt, aber oft vergisst: Man darf Kunden niemals für dumm verkaufen. Sind 100 Stück bestellt, liefert man besser 102 als 99. Der Kunde bezahlt. Der Kunde ermöglicht das Überleben des Betriebs!» Wer heute ein Unternehmen gründen wolle, müsse noch motivierter sein als er damals. «Das Business ist hart. Aber wer überzeugt ist von dem, was er tut, und sich mit kompetenten Leuten umgibt, für den gibt es nichts Schöneres, als sein eigener Chef zu sein.» 

Bilder: Jürg Waldmeier

blog confiserie boillat auslage mit geschenken
Auslage mit Geschenken
sara portrait schuhe

Sara Hübscher

Autorin

Für eine gute Story renne ich auch mal weite Strecken.

Info

Bouchons Vaudois

Es war im Jahr 1948, als die «Société vaudoise des confiseurs-pâtissiers-chocolatiers-glaciers» diskutierte, mit welcher Spezialität man sich in Zukunft profilieren könnte. Dazu schreibt Paul Imhof im «Kulinarischen Erbe der Schweiz»: «Die Confiseure grübelten über Ideen und stocherten im Fondue, bis den Präsidenten, der mit einem Weinkorken spielte, der Geistesblitz durchfuhr. ‹Ich hab’s! Wir machen Bouchons!› – ‹Vaudois›, ergänzte die Runde begeistert.» Die Füllung der Hüppen-ähnlichen Röhrchen enthält unter anderem Mandeln, Zucker, Butter und Kakao sowie den regionalen «Bitter de Diablerets».

bouchons-vaudois.ch

Bäcker zeigt in zwei Hälften geschnittenes Brot

Branche

Bäckerei und Confiserie

Für Bäckereien, Konditoreien und Confiserien bieten wir Rohstoffe, Verpackungen und Dienstleistungen – alles, was Ihr Handwerk erfolgreich macht.

Teilen Sie diesen Beitrag

Weitere ähnliche Beiträge